Ausstellung vom 19.September bis 25.Oktober 2026
Schreibend malen
Die Schrift folgt der Linie. Der Linie hat sich der Kalligraph Rolf Lock verschrieben. Die Ausstellung versammelt groß- und kleinformatige Arbeiten, die in den letzten Jahren entstanden sind. Lock bevorzugt handgeschöpfte Papiere, alte Druckbögen, bedruckt und unbedruckt, oder alte Buchdeckel. In Locks Buchstaben spiegelt sich die Entwicklung der Schrift von den Hieroglyphen bis zur Stenografie und digitalen Chiffren. Lock ist ein Meister der Linienführung und profunder Kenner abendländischer und orientalischer Schriften. Aus Buchstaben formt er Worte und Sätze, bevorzugt Verse und Sentenzen von Shakespeare bis Novalis und von Lear bis Morgenstern oder Böll. Er schreibt und interpretiert, aber auch längere Texte und Erzählungen, die in handgeschriebenen und handgebundenen Editionen, in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten sind. Die Themen umkreisen das menschliche Leben, Freude und Leid, Natur und Umwelt. Aber auch Träume und Phantasien greifen Raum.
Hochformatigen Büchern stehen gefaltete Leporellos und gebundene Büchlein mit japanischen Haikus gegenüber. Fliegende Blätter eröffnen ungewöhnliche Perspektiven. Insekten und Tierwesen beleben und bewegen Rolf Locks Bilder und Buchstabenwelt. Sie folgen der Natur, hoch- und spätmittelalterlichen Handschriften, aber vor allem Locks Phantasie. Die großen Tiere schließen sich einem Tieralphabet an, das von Alligator bis Zebra reicht, geschrieben und illustriert in Morgensterns oder Ringelnatz‘ Manier. Zu seinen Lieblingstieren zählen Krokodile und Vögel aller Arten. Hier in der Tierwelt setzt methodisch Locks überbordende Freude an, seine Lust an bunten Seifenblasen, kratzigen Federn und spritzenden Pinseln. Er scheut keine Mittel, kein Material um Schrift zum Ausdruck zu bringen, zum Leben zu erwecken – gemeint ist: was dahintersteckt und verborgen ist!
Dr. Wolfgang Gaitzsch
Foto: © Rolf Lock
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